Machmal ergeht es einem wie Sisyphos, der versucht, eine neue Idee oder Arbeitsweise den Berg hinaufzurollen, nur damit sie kurz vor dem Gipfel wieder zurückrollt?
Was für ein Moment der Ernüchterung. Eine Strategie, die glasklar ist, eine Vision, die Sinn ergibt. Du startest mit Motivation und Fanfaren und erwartest ein Lauffeuer der Begeisterung… und bekommst stattdessen höfliches Nicken und dann: Stille. Einsam rollt Tumbelwheed durch den raum, wie in einem Western. Dann kehrt alles zum Alten zurück.
Also: Warum versanden unsere besten Initiativen so oft?
Vielleicht haben wir die letzten Jahre kollektiv missverstanden wie Wandel funktioniert. Wir glauben an das „virale Modell“. Wir denken, Ideen seien wie ein Grippevirus: Ein Kontakt genügt, und zack die Idee infiziert. Aber Verhalten ist kein Virus. Verhalten ist ein Teamsport. Es braucht mehr als einen Nieser, um Vertrauen aufzubauen.
In dem Buch “Change” hat Damon Centola in seiner Forschung aus meiner Sicht vier interessante Aspekte zum Thema Veränderung aufgedeckt, die vielleicht erklären, warum Veränderung oft gegen Windmühlen kämpft. Das Buch zeigt auch Lösungen, wie wir den Wind endlich in unsere Segel bekommen.

Damon Centola
Leuchttürme
Unser erster Reflex bei Veränderungen? Wir rufen nach oben. Wir wollen den CEO oder den Influencer, den „Star“ der Branche. Wir denken, wenn der Leuchtturm strahlt, folgen alle Schiffe.
Dies scheint leider ein Trugschluss zu sein, denn Influencer sind oft Hüter des Status Quo; sie haben zu viel zu verlieren und stehen unter stetiger Beobachtung, stehen in Konkurzenz und sind somit angreifbar. Diese Personen haben viel zu verlieren.
Plattformen wie Twitter wurde nicht von Oprah großgemacht, sondern von Nachbarn und engen Freunden, die sich gegenseitig versicherten: „Hier ist es okay.“ und dieser Dienst hat “Wert”.
Wandel beginnt nach Centola nicht auf der großen Bühne. Er beginnt in der Peripherie, in der Kaffeeküche, dort, wo das soziale Gewebe dicht ist und starke Beziehung existieren.
Die bessere Mausefalle fängt keine Mäuse
Wir lieben den Glauben an die Qualität. „Wenn die Idee gut und logisch argumentiert ist, setzt sie sich durch.“ Scheinber leider nicht.
Die Geschichte ist voll von überlegenen Produkt Ideen. Denk an Betamax oder die ergonomische Tastatur, die trotz technischer Überlegenheit verloren haben. Warum? Weil Menschen nicht nur Features kaufen, sondern auch soziale Zugehörigkeit. Google Glass scheiterte nicht an der Technik, sondern weil es gegen soziale Normen (Datenschutz, Überwachung etc.) verstieß. Es machte die Träger zu Außenseitern.
Damit eine Idee fliegen kann, muss sie sich sozial sicher anfühlen. Wir brauchen keine besseren Argumente, die Idee muss auch in den gesellschaftlichen Rahmen passen und soziale Erlaubnis beinhalten.
Breite Brücken anstelle schmaler Pfade
Informationen reisen schnell über von Centola genannte schwache Verbindungen (Bekannte von Bekannten). Aber Vertrauen? Vertrauen braucht Redundanz. Das entspricht eher einer „komplexe Ansteckung“.
Wenn du ein riskantes neues Verhalten einführen willst, reicht es nicht, wenn eine Person es vormacht. Wir müssen es von Kollege A, Kollege B und Kollegin C sehen. Wir brauchen “Bestätigung” und „weite Brücken“. Viele Verbindungen, die uns signalisieren: „Wir machen das jetzt alle und es scheint hilfreich zu sein.“ Scheinbar muss Veränderung nach und nach Netze weben, aber es bedaft keiner Lautsprecher.
Die 25-Prozent-Marke
Hier ist die gute Nachricht: Es müssen nicht alle von einer Idee überzeugt werden. Du brauchst keine 51 Prozent. Forschungen zeigen, dass soziale Normen kippen, sobald eine engagierte Minderheit eine Größe von 25 Prozent erreicht. Wenn jeder Vierte in einer Gruppe eine neue Haltung nicht nur vorschlägt, sondern lebt, wird der soziale Druck für den Rest zu groß, um beim Alten zu bleiben.
Der Kipppunkt ist oft viel näher, als wir denken.
Viele Schneeflocken liegen auf einem Ast. Alles ist ruhig. Dann fällt eine letzte, kleine Flocke darauf. Genau diese eine Flocke ist zu viel. Der Ast bricht ab.
Eine einzelne Flocke hat alles verändert.
Das zeigt das Prinzip der Bifurkation: Viele kleine Ursachen können an bestimmten Punkten riesige (Aus)Wirkungen haben.
Und nun?
Wenn du morgen etwas verändern willst, ist es vielleicht hilfreich etwas neues auszuprobieren. Anstelle Folien für die ganze Belegschaft zu polieren und den Influencern zu verkaufen vielleicht an anderen Stellen des Systems zu starten.
Nach Centola ist die kleine, eng verbundene nicht in der öffentlichkeit agierende Gruppe vielleicht eher der Hebel für Veränderung. Bau man dort Vertrauen in die Sache auf, kann der Wandel in diesem kleinen Biotop Wurzeln schlagen und überträgt sich aus der Peripherie heraus stetig ins innere.
Veränderung ist somt kein Sturm, der über das Land fegt sondern ein Feuer, das von einem Holzscheit zum nächsten hüpft, dort, wo sie sich berühren und in Verbindun stehen.
Hilfreicher Überblick
Hier noch ein “Poster” mit den wichtigsten Themen zu dem Thema (KI-Generiert) :
